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Eröffnung 24. Kultursommer Südhessen 2017

Das Odenwälder Echo berichtete am 19.06.2017:

Festakt zum Jubiläum des Vereins Museumsstraße setzt viele in Bewegung

OdenwaelderEcho c Manfred Giebenhain

Von Manfred Giebenhain

STEINBACH - Der Kultursommer Südhessen ist eröffnet. Die erste von rund 250 Veranstaltungen stand im Zeichen des 25-jährigen Bestehens des Vereins Museumsstraße Odenwald-Bergstraße. Diese Organisation hatte am Samstag zu einem Festakt in die Einhardsbasilika von Steinbach eingeladen. Keine langen Reden, sondern ein Konzert mit vier Chören bestimmte den ersten Programmpunkt. Anschließend setzten sich drei Oldtimer-Busse in Bewegung, um insgesamt neun Museen anzusteuern. An der Nostalgiefahrt „Nacht der offenen Museen“ nahmen pro Bus 25 bis 30 Mitreisende teil, die sich für eine der drei vorgeschlagenen Routen entschieden hatten.

Zuvor war es etwas mehr als 160 Gästen vergönnt, die Akustik der rund 1200 Jahre alten Basilika-Mauern zu genießen. Mit jeweils vier bis fünf Liedbeiträgen unterhielt die mehr als 50-köpfige Chorgemeinschaft Falken-Gesäß/Ober-Ostern unter Leitung von Hans Helfrich mit religiösen Liedern in englischer und deutscher Sprache. 14 Mitglieder des Frauenchors „Ricchina Vocalis“ GV Eintracht 1891 Richen stimmten unter Leitung von Hie Jeon Byun einen „Sommarpsalm“ von Waldemar Ahlén an und trugen mit klassischen Stücken von Felix Mendelssohn Bartholdy und Georg Friedrich Händel ebenfalls zum Gelingen des Abends bei.In derselben Stärke trat das Frauenchorprojekt Sängerkreis Mainspitze/Groß-Gerau unter Führung von Angelika Theobald vor das Publikum, um zwei Weihnachts- und Kirchenlieder des 2000 verstorbenen Hilger Schallehn sowie zwei weitere Stücke darzubieten.

  • DIE IDEE FREILICHTMUSEUM

Der Verein Museumsstraße Odenwald-Bergstraße wurde vor 25 Jahren mit dem Ziel gegründet, „das kulturelle Erbe der Region zu erhalten und es einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“. Mit diesen Worten hatte der Vereinsvorsitzende, Landrat Frank Matiaske, zur Jubiläumsveranstaltung geladen.

Die Initiative zur Gründung war von Matiaskes Vorgänger Horst Schnur ausgegangen, der in den Reihen der Ehrengäste saß. „Wir wollten einen Gegenpol zur Translozierung historisch wertvoller Häuser aus dem Odenwald setzen“, beschreibt Schnur. Anders als in Baden-Württemberg und Bayern, wo man auf Erhalt des architektonischen Kulturguts an Ort und Stelle setzte, entstand in Hessen eine zentrale Anschrift in Neu-Anspach, der Hessenpark mit mehr als 150 000 Objekten der Alltagskultur, die das Alltagsleben und die Festkultur vom 17. Jahrhundert bis in die 80er Jahre abbilden.

Im Odenwald sollte mit dem Ankauf der historischen Hofreite „Keilvelter Hof“ in Unter-Ostern ein authentisches Freilichtmuseum entstehen, was aus finanziellen Gründen nicht gehalten und ausgebaut werden konnte. Das Areal wurde 2011 an einen privaten Betreiber verkauft. Spuren hinterlassen hat der Verein mit Infotafeln an historisch wertvollen Gebäuden und durch eigene Veranstaltungen, die sich mit Kulturgut und Brauchtum beschäftigen. (mgi)

Viel Applaus für die musikalischen Beiträge

Christliches Liedgut bestimmte auch die Auswahl, die Chorleiter Ernst Kratzert vom Männerchor Singkreis Odenwald/Beerfelden-Hetzbach getroffen hatte. Mit „Hallelujah“ in der Version von Leonhard Cohen und dem Gospelsong „Down by the Riverside“, der in das Jahr 1882 zurückreicht, bestimmten modern interpretierte Klänge den Abschluss des Konzertes. Das Publikum honorierte die Darbietungen mit lang anhaltendem Beifall.

Oliver Quilling, Landrat des Kreises Offenbach und amtierender Vorsitzender des Kultursommers Südhessen, sprach von einem „stimmungsvollen Auftakt“ der beliebten Veranstaltungsreihe. Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid freute sich über „den fulminanten Start, der den Kulturschaffenden in der Region eine Bühne bereitet“ habe.

Wer sich für die anschließende Nostalgiefahrt entschieden hatte, begab sich auf eine „spannungsgeladene Zeitreise“ vom Heimatmuseum Rodenstein in Fränkisch-Crumbach über das Dorfmuseum Brensbach/Wersau bis zum Fossilien- und Heimatmuseum in Messel. Am Steuer des Setra-Busses S 6 saß Bernd Haas. „Kraichgau-Falke“ ist der angestammte Name dieses Gefährtes. „Beide Fahrzeuge, also auch den S 9, setzen wir erst seit Kurzem für Sonderfahrten ein“, warb der Fahrer des Busunternehmens Müller aus Massenbachhausen (Landkreis Heilbronn) für das Nostalgieangebot.

Das Motto der Ausfahrt des S 9 lautete „Mit allen Sinnen genießen“, worunter der Besuch von Schloss Reichenberg in Reichelsheim, das Deutsche Drachenmuseum in Lindenfels sowie das Koziol-Museum in Erbach addiert wurden. „Vergangenheit neu gestaltet“, erfuhr, wer den Neoplan-Bus NH 6-7 bestiegen hatte. Die Fahrt führte zum neuen Stadtmuseum Michelstadt, zum Erbacher Schloss und zum Eichendorff-Museum von Neckarsteinach. Alle drei historischen Omnibusse drehten zu Beginn der 1960er Jahre ihre ersten Runden im Linienverkehr.